KÖRPERPSYCHOTHERAPIE

DIE WEISHEIT DES KÖRPERS
Körperorientierte Psychotherapie

 

Seit in den 90ern neu gewonnene Forschungsergebnisse der Neurowissenschaften die zentrale Annahme der Körperpsychotherapiemethoden stützen, dass Körper und Geist in einer untrennbaren Wechselwirkung stehen, wächst das Interesse an körperpsychotherapeutischen Verfahren und die Einbeziehung des Körpers in der Psychotherapie wird zunehmend innerhalb etablierter Psychotherapieeinrichtungen diskutiert.

» Die Wechselwirkung zwischen Körper und Geist ist jedem bekannt. Der Volksmund benennt sie in zahlreichen Redewendungen, wie „das bereitet mir Kopfschmerzen“, „es ist mir etwas auf den Magen geschlagen“ oder „ich habe einen Kloß im Hals“. Unser Körper drückt in Körperhaltung und Mimik seine Gefühle aus. Gehe ich aufrecht, ducke ich mich, ziehe ich die Schultern hoch, runzle ich die Stirn – wir drücken uns über unseren Körper aus und wir kennen die Sprache des Körpers.

» Im Unterschied zur Alltagssituation, in welcher der körperliche Ausdruck und das körperliche Empfinden wie automatisch und unbewusst geschehen, werden in der körperorientierten Psychotherapie körperliche Phänomene fokussiert und ins Bewusstsein gerückt. Die körperorientierte Psychotherapie bezieht den Körper in die therapeutische Arbeit mit ein.

» Die Grundannahme der körperorientierten Psychotherapie ist, dass der Mensch alle Erfahrungen von Beginn seines Lebens an im Körper speichert - sowohl die angenehmen und als lustvoll erlebten, als auch die schmerzhaften, bis hin zu traumatischen Erfahrungen.

» Erlebt ein Kind ein hauptsächlich wohlwollendes liebevolles Umfeld, erhält es seelische Nahrung, es fühlt sich geliebt, unterstützt, kann sich entspannen und geht vertrauensvoll in die Welt. Nicht immer ist eine solch unterstützendes Umfeld für das Kind gegeben aus unterschiedlichen Gründen. Mag sein, dass die Eltern eigene Belastungen aus ihrer Herkunft mitbringen oder die gegenwärtige Situation besonders belastet ist, z.B. durch finanzielle Sorgen oder schwierige Partnerschaften.

» Schmerzhaft Erlebtes veranlasst den kindlichen Organismus sich zu schützen, indem es Muskeln kontrahiert und den Atem reduziert, um Unangenehmes nicht zu spüren. Hat das Kind die Möglichkeit getröstet, „gehalten “, beruhigt zu werden, kann es das Erlebte verdauen und sich wieder entspannen.

» Wird das Erlebte emotional nicht verdaut fließt die Lebensenergie nicht mehr frei und wird an manchen Stellen des Körpers blockiert. Der ursprünglich als Schutz entwickelte Mechanismus schafft eine Daueranspannung im Körper, verändert Körperhaltungen und kann sich psychosomatisch auswirken. Verspannungen können Ursache von Kopfschmerzen, Rückenschmerzen, Migräne und mehr sein. Nichtverdautes kann auf den Magen schlagen und die gesamte Verdauung beeinflussen.

 

Die körperorientiere Psychotherapie

» Die körperorientierte Psychotherapie geht davon aus, dass in der körperlichen Organisation des Erwachsenen emotionale Informationen aus der frühen Kindheit gespeichert sind. Aus frühen Erfahrungen abgeleitete „Kernüberzeugungen“ wie zum Beispiel „Ich bin nicht gut genug“ werden als Gefühl im Körper gespeichert und bestimmen wie die „Wirklichkeit“ erlebt wird. So kann ein Mensch, der z.B. in seinem Leben viel geleistet hat dem Gefühl „nicht gut genug zu sein“ Glauben schenken, auch Die Klientin/der Klient erlebt in der Therapie im Hier und Jetzt, das von rationalen Abwägungen unabhängige Gefühl z.B. „gut genug zu sein“ und kann sich diese Erfahrung „einverleiben“.

» Das Ziel der körperorientierten Psychotherapie ist es den Menschen zu unterstützen wieder mit der eigenen Kraftquelle und den Ressourcen in Kontakt zu kommen, um sich zu heilen. Der Fokus des Therapeuten geht zum „heilen Kern“ des Klienten/der Klientin. Er/sie sieht ihn/sie in seiner Entfaltungsmöglichkeit. Die Aufmerksamkeit wird auf das innere und körperliche Erleben gelenkt. Im Unterschied zu rein verbal arbeiteten Therapeuten wird in der körperorientierten Psychotherapie, neben verbalen Interventionen über den Körper gearbeitet. Verschiedene Techniken stehen zur Verfügung: körperliche Übungen, Berührung, Übung der Körperwahrnehmung – Körperachtsamkeit.

»  Neben dem Auflösen hinderlicher Beziehungsmuster ist das Ziel der körperorientierten Psychotherapie, Menschen in ihrem Bedürfnis auf Entfaltung der Lebensfreude, dem persönlichen Ausdruck ihres Potenzials, sowie dem Erleben von Glück und Vitalität zu unterstützen. Der Körper ist weise, er schützt uns, die Quelle der Kraft geht nie verloren, manchmal ist sie verborgen. In jedem schmerzhaft erlebten Prozess liegt eine besondere Ressource.

Für wen ist die körperorientierte Psychotherapie geeignet?

Bei Problematiken, deren Ursachen in der frühen Kindheit liegen

Viele Menschen können sich nicht erklären, warum sie in manchen Situationen wiederholt in einer unverständlichen Weise reagieren. Sie leiden unter sich wiederholenden Beziehungs- und Handlungsmustern, die ihnen schaden. Über den Körper kann ein tieferes Verstehen und ein „Einverleiben“ neuer Möglichkeiten geschehen.

Bei psychosomatischen Beschwerden:

Die körperorientierte Psychotherapie hat die Möglichkeit an Ursachen einer psychosomatischen Symptomatik zu arbeiten. Der Ursprung vieler psychosomatischer Symptome liegt in der frühen Kindheit. Das Kind reagiert somatisch auf bestimmte Erlebnisse und zeigt, dass es Hilfe braucht. Diese Ressource des Kindes kann zum Problem werden, wenn der Erwachsene „somatisiert“, statt zu fühlen, was ihn bedrückt und dieses in Kontakt zu bringen. In der körperorientierten Psychotherapie lernt der Klient/die Klentin die Sprache des Körpers zu verstehen und ihn als Instrument der Wahrnehmung zu nutzen.

Kinder und Jugendliche

Kinder und Jugendliche reagieren oft sehr körperlich z.B. mit Bauchschmerzen, Verdauungsproblemen, usw.. Bei Unruhe, Konzentrationsschwächen, Nervosität kann die Arbeit mit körperpsychotherapeutischen Elementen Kinder und Jugendliche stärken, „besser geerdet“ sein und sich Erfahrungen „einzuverleiben“. Gute Erfolge zeigt die von der norwegischen Psychologin Gerda Boyesen entwickelte biodynamische Massage besonders bei Kindern. Spannungen werden abgebaut und Belastendes kann verdaut werden. In der Arbeit mit Kindern ist eine Einbeziehung der Eltern immer hilfreich.

Quellen: Bauer, Joachim: Das Gedächtnis des Körpers. Wie Beziehungen und Lebensstile unsere Gene steuern; Piper, 2006 Marlock Gustl, Weiss Halko: Handbuch der Körperpsychotherapie. Schattauer, 2006 Pesso Albert: Dramaturgie des Unbewussten. Eine Einführung in die psychomotorische Therapie. Klett-Cotta, 1999 Boyesen Gerda: Über den Körper die Seele heilen, Kösel, 1987